Mental Load: Warum es dir so viel Energie raubt und niemand es mitbekommt
Darum geht es
In diesem Artikel erkläre ich dir, was Mental Load wirklich bedeutet — warum es so viel Energie kostet, warum niemand es sieht und wie du das Thema mit deinem Partner angehen kannst.
- Wie viel Mental Load du trägst — mit einem Test der Initiative Equal Care
- Was Mental Load ist — nicht die Aufgaben selbst, sondern alles, was im Kopf nötig ist, damit sie erledigt werden können
- Warum es bei Frauen landet — nicht weil wir es besser können, sondern weil es gesellschaftlich so erwartet wird
- Warum niemand es sieht — weil mentale Arbeit unsichtbar ist und nur das Ergebnis wahrgenommen wird
- Warum es so viel Energie kostet — wie ein Browser mit 40 offenen Tabs, der nie wirklich ausgeht
- Wie du es deinem Partner erklärst — ohne Vorwürfe, mit konkreten Beispielen
Was ist Mental Load eigentlich?
Stell dir vor, du möchtest einen Bilderrahmen aufhängen. Woran musst du denken und was musst du beachten?
- Sind Nägel da? Sind es auch die richtigen?
- Wo ist der Hammer?
- Wo möchtest du das Bild aufhängen?
- Ist die Wand und die Stelle an der Wand dafür geeignet? Läuft dahinter ein Stromkabel oder eine Wasserleitung? Wie kannst du das prüfen?
- Hast du die Stelle schon markiert? Musst du mit jemandem Rücksprache halten?
Das tatsächliche nageln und Bild aufhängen sind dann nur noch die Ausführung. Damit das Bild aber richtig hängt, sind die ganzen Vorüberlegungen auch notwendig.
genau das ist Mental Load. Das ständige Daran-Denken, Planen und Organisieren. Es geht nicht darum, Aufgaben oder Dinge zu erledigen. Sondern Mental Load bildet alles ab, was im Kopf nötig ist, damit wir die Aufgaben erledigen können.
Oder wie Mental Load Expertin Laura Fröhlich schreibt:
Hinter dem Konzept Mental Load steht die mentale Last, an alle (täglichen) To-dos zu denken, die Care-Arbeit und Alltags- bzw. Familien-Organisation betreffen.
Warum landet Mental Load so oft bei dir?
Hast du dich auch schon mal gefragt, warum so viel Mental Load fast automatisch bei Frauen landet? Manche sagen vielleicht, dass Frauen das besser können und es uns einfach besser liegt. Aber ist das wirklich so? Kannst du das wirklich besser als dein Partner, oder hast du es gelernt, weil es schlichtweg von dir erwartet wird?
Dabei haben nicht dein Mann und du Schuld an der Verteilung, die fast automatisch so passiert. Es sind vielmehr gesellschaftliche Erwartungen, die das festlegen. Da wir so sozialisiert sind und Frauen nun mal in der Familie als dafür zuständig angesehen werden, übernehmen wir fast schon selbstverständlich diese Aufgaben.
Besonders stark fällt das auf, sobald Kinder geboren werden. Nehmen wir uns vorher noch vor, die Arbeit gleich aufzuteilen, rutschen wir später fast schon von selbst in klassische Rollenverteilungen inkl. der mentalen Last bei den Frauen. Selbst wenn wir die Aufgaben an sich gleich aufteilen und uns die Arbeit 50/50 teilen. Die mentale Last liegt fast immer trotzdem zum Großteil bei uns. Das Fiese ist, dass das unsichtbar ist. Dass Aufgaben erledigt werden, hat häufig ein sichtbares Ergebnis zur Folge. Bei mental Load ist das anders.
Warum sieht niemand anderes, wie viel Mental Load du trägst?
Leider passiert bei Mental Load etwas, das total unbefriedigend und nervig ist. Das tatsächliche Daran-Denken, an alle Termine, Aufgaben und was so ansteht, ist erstens nie fertig und zweitens sieht es niemand. Was tatsächlich schon gesehen wird, ist, wenn die Aufgabe an sich erledigt wird.
Das kannst du dir so vorstellen: nehmen wir mal an, du hast eine 3 köpfige Familie mit einem Kindergartenkind zu Hause. Mindestens einmal am Tag muss sich jemand von euch Eltern darüber Gedanken machen, was es zum Essen gibt.
Meistens macht das die Mutter. Also musst du dir überlegen, was es geben könnte. Du musst bedenken, wem was schmeckt, was ihr die letzten Tage gegessen habt, was ihr noch zu Hause habt und was ihr einkaufen müsst, wie viel Zeit ihr zum Kochen habt und so weiter. Dann muss eine Einkaufsliste geschrieben werden und es muss eingekauft und gekocht werden.
Du schreibst also die Liste und schickst deinen Mann zum Einkaufen. Wahrscheinlich hast du dir vorher auch noch Gedanken gemacht, wo er einkaufen wird, also in welchem Supermarkt oder Discounter und hast auf die Angebote dieser Woche geachtet. Er geht nun einkaufen und kauft alles, was ihr braucht.
Danach ist es aber sehr häufig so, dass nur das Einkaufen an sich gesehen wird, nicht die ganze mentale Arbeit darum herum. Und genau das, dass deine vielen Gedanken und Planungen, die du gemacht hast, nicht gesehen werden, frustriert dich zunehmend.
Dazu kommt dann oft noch, dass viele Partner auf unsere Beschwerde über unsere vielen To Dos nur teilweise helfen. Viele sagen nämlich einfach nur “Sag mir doch was ich tun soll und ich mache es.”. Damit denken sie, dass sie uns einen Großteil der Arbeit abnehmen. Was sie uns tatsächlich abnehmen, ist aber nur ein Bruchteil des Ganzen.
Die ganze mentale Arbeit ist unsichtbar und auch deshalb so Kräfte raubend.
Warum kostet Mental Load so viel Energie?
Nicht nur, weil die Kraft, die Mental Load kostet, nur von denen gesehen wird, die selbst viel Mental Load haben, kostet sie so viel Energie. Es ist wie ein Motor, der ständig und ohne Pause läuft. Zwar kosten einzelne Gedanken oder To Do’s nicht viel Energie, aber in der Summe und über die lange Zeit kommt da doch recht viel zusammen.
Du kannst es auch vergleichen, wie ein Browser mit 40 oder sogar 50 offenen Tabs. Ständig musst du alles im Blick behalten und an alles denken. Ruhe davon bekommst du auch fast nicht. Die To Do Liste läuft auch nachts einfach weiter. Wenn du mir das nicht glaubst, überlege mal, wie oft dir nachts oder kurz vor dem Einschlafen noch eine weitere Aufgabe eingefallen ist, die du noch erledigen musst. Sollte ich mit dir wetten müssen, wann das das letzte Mal war, würde ich denken, in den vergangenen 7 Tagen mindestens einmal.
Das ist ja auch kein Wunder. Wir Frauen und Mamas jonglieren ständig Familie, Job, Privatleben, Termine, Schule, etc. gleichzeitig.
Doch was ist eigentlich mit den Vätern? Können sie nicht auch ihren Teil übernehmen? Ich höre jedoch oft, dass das daran scheitert, dass viele das Problem nicht verstehen.
Wie erkläre ich meinem Partner Mental Load?
Mal ehrlich, hast du nach einem langen und vollen Tag noch Zeit und Lust, deinem Partner genau zu erklären, warum vieles so anstrengend ist? Oder, warum du möchtest, dass er auch Teile davon übernimmt? Ich bin mal so direkt und sage, wie es bei mir ist. Nein, ich möchte dann nicht auch noch meinem Partner Mental Load erklären und mich vielleicht sogar rechtfertigen. Daher mache ich vieles dann einfach selbst und organisiere oder kaufe Kinderklamotten, wenn sie schon schlafen.
Doch das ist definitiv der falsche Weg. Eben damit wir weniger Mental Load haben und unser Partner auch seinen Teil übernimmt, müssen wir das ganze Thema ansprechen, erklären und den immensen Aufwand aufzeigen. Viel zu lange haben Frauen das alles alleine getragen. Klar, das verursacht im ersten Moment erstmal noch mehr Arbeit, aber letztendlich lohnt es sich, das verspreche ich dir.
Tipps, wie konkret du das machen kannst, möchte ich dir natürlich auch nicht vorenthalten. Ganz wichtig finde ich, dass du ohne Vorwürfe und mit konkreten Beispielen ran gehst. Akzeptiere und mache dir auch vorab bewusst, dass die Chance groß ist, dass er noch nie von Mental Load gehört hat und es ihm, ohne böse Absicht, gar nicht klar ist, wie viel du trägst, organisierst und planst.
Dann würde ich dir raten, dass du dir ein konkretes Beispiel aussuchst und ihn mal Schritt-für-Schritt in alle Aspekte mitnimmst. Dafür eignen sich Dinge wie Mahlzeiten für die nächste Woche planen inkl. Einkäufe, oder auch organisieren und packen für einen Tagesausflug gut. Zeig ihm dann auch gerne noch, an was du tagtäglich so denken musst. Und wenn er mit dem Argument kommt, er denkt ja ans Reifen wechseln und den Kundendienst, kannst du ihm gerne vor Augen führen, dass diese Sachen nur 1-2 Mal pro Jahr dran sind.
Finde heraus wie viel Mental Load du in der Familie trägst mit dem Mental Load Test/Tabelle
Es gibt auch Wege, wie ihr gemeinsam herausfinden könnt, wer wie viel Mental Load in der Familie trägt. Manchmal hilft es schwarz auf weiß zu sehen, wie viel man selber, aber auch der Partner leistet. Die Initiative Equal Care hat dazu tolle Tests entwickelt. Sowohl für Paare, als auch Familien oder für das Arbeitsumfeld gibt es sie hier auf Mental Load Test.
Am besten macht ihr so einen Test jeder für sich allein und vergleicht sie dann. Bleibt dabei fair und verständnisvoll für den anderen. Es wird sicher nicht mit einem Gespräch und einem Test getan sein, dass Mental Load plötzlich für euch stimmig und gleichwertig aufgeteilt ist. Bedenke bitte auch, dass eine gerechte Verteilung nicht heißt, dass sie auch 50/50 sein muss. Für euch und eure individuelle Situation muss die Aufteilung passen. Und das wird sich über die Jahre wahrscheinlich auch das ein oder andere Mal noch ändern.
Fazit
Du siehst, Mental Load hört sich erstmal recht harmlos an und du hattest wahrscheinlich auch eine bestimmte Vorstellung davon, bevor du den Artikel gelesen hast. Es ist aber umfangreicher als viele denken.
Es sind nicht die ganzen To Do’s und Aufgaben in eurem Familienleben. Vielmehr ist es die Planung und Organisation jeder einzelnen. Dabei wird Mental Load noch viel zu häufig und selbstverständlich von Frauen getragen.
Um herauszufinden, wie die Verteilung bei euch ist, gibt es Tests, zum Beispiel von der Initiative Equal Care.
Ich hoffe, der kurze Einblick hat dir gefallen. Auf diesem Blog veröffentliche ich regelmäßig Artikel zu Mental Load, Familienplanung und -organisation. Schau gerne öfter vorbei und lass mich dir helfen, den Alltag zuverlässig zu planen.